Vorstände der Freiwilligen Feuerwehr Welden seit der Gründung 1874

Kommandanten der Freiwilligen Feuerwehr Welden seit der Gründung 1874

1874 – 1880 Oberförster Mayer 1874 - 1878 Dr. Heitz
1880 – 1884 Georg Bergmeir 1878 – 1885 Georg Bergmeier
1884 – 1895 Benno Schönheits 1885 – 1888 Alois Wunderer
1895 – 1906 Dominikus Weiß 1888 – 1898 Michael Holland
1906 – 1919 Josef Knaus 1898 – 1929 Johann Abele
1919 – 1924 Xaver Berchtold 1929 – 1934 Georg Demharter
1924 – 1934 Johann Abele 1934 – 1937 Ludwig Jung
1934 – 1937 Johann Knaus 1937 – 1945 Johann Hummel
1937 – 1950 Johann Hummel 1945 – 1951 August Baumeister
1950 – 1961 Johann Bergmeir 1951 – 1958 Alois Heichele
1961 – 1964 August Baumeister 1958 – 1974 Josef Kling
1964 – 1965 Andreas Dienstbier 1974 – 1975 Gerhard Reiser
1965 – 1969 Franz Wagner 1975 – 1984 Georg Anzenhofer
1969 – 1970 Anton Böck (II) 1984 – 1990 Ernst Saule
1970 – 1985 Anton Kammermeier 1990 – 1996 Eduard Schuster

1985 – 2000

Ernst Saule 1996 – 2002 Günter Kapfer
 seit 2001 Karl Pröll 2002 – 2008 Eduard Schuster
          seit 2008   Markus Poll  

 

1874 – 1999
125 Jahre Vereinsgeschichte der
Freiwilligen Feuerwehr Welden


125 Jahre Feuerwehrvereinsgeschichte in Welden waren uns Anlass das Gründungsjubiläum mit einem großen Fest zu feiern. Es ist uns aber auch eine Verpflichtung, die Erinnerung an die Gründer unserer Feuerwehr und an alle bisherigen Mitglieder zu bewahren und ihnen als Dank und Anerkennung die Geschichte der Feuerwehr zu widmen.

Zum einhundertjährigen Bestehen 1974 wurde die Chronik der Freiwilligen Feuerwehr und des Feuerlöschwesens in Welden von Anton Böck letztmals aufgearbeitet. Dieser Rückblick, ergänzt durch die Begebenheiten der zurückliegenden 25 Jahre, will einen Einblick in die Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Welden geben.

Wie ist diese Wehr entstanden, welche zeitlichen Einflüsse waren zu meistern und wie zeigt sie sich heute anlässlich ihres Jubeljahres? All diese Fragen sollen im folgenden geschichtlichen Abriss beantwortet werden. Bedauerlicherweise sind aus der Gründerzeit nur noch spärliche Aufzeichnungen vorhanden. Für manchen stellt sich die Frage, ob es denn vor dem 7. Juni 1874 keine Feuerwehr gab. Dass hierüber Aufzeichnungen vorliegen, ist der mühevollen Kleinarbeit des verstorbenen Weldener Heimatforschers Ludwig Langenmair zu danken. Sicherlich gab es zum Löscheinsatz gebildete Gruppen, denen jedoch die weitergehende Organisation eines Vereinsgebildes fehlte. Dennoch ist es interessant, auch auf die vorvereinsgeschichtliche Entwicklung einzugehen.

So finden sich Anmerkungen, dass zur Zeit des 30-jährigen Krieges zwei Drittel aller Weldener Gehöfte niedergebrannt waren. Mit Sicherheit kann dabei angenommen werden, dass der Markt schon damals über Männer verfügte, die gegen die Feuersbrunst ankämpften. Am 3. Mai 1666 berichtet der Chronist beispielsweise von verheerenden Bränden, denen fast eine ganze Ortsgasse zum Opfer gefallen wäre, wenn Wind in die Segel des Ungetüms Feuer geblasen hätte. Die enge Bauweise mit strohgedeckten Häusern war geradezu geeignet, den Flammen Nahrung zu bieten. Einen weiteren Kampf gegen des Feuers Macht verzeichnet die Chronik im Jahre 1687, als die Klostergasse in Flammen aufging. Massive Proteste gegen die Trockenlegung des großen Weihers, der das für den Ort notwendige Löschwasser lieferte, finden sich in den Annalen des Jahres 1776. Die erste amtliche Niederschrift über die Nachbarschaftshilfe einer Wehr findet sich 1778, als zwei Weldener Bürger mit je 1,30 Gulden bestraft wurden, weil sie sich nicht an der Brandbekämpfung in der Nachbargemeinde Reutern beteiligt hatten. Aus der Sorge um die hohen Gebäude des Ortes, womit wohl die drei Kirchen und das Pflegamtsgebäude gemeint waren, wurde bereits 1799 der Kauf einer Feuerspritze angeregt, der dann seitens der Gemeinde 1803 abgeschlossen wurde. Allerdings währte die Freude an der neuen Spritze nicht lange, weil sie von unbekannten Dieben gestohlen wurde. So beschloss man beim Neubau der Schule 1809, die wiederaufgefundene Spritze aus Sicherheitsgründen im neuen Schulstadel unterzubringen. Wie notwendig die Spritze war, stellte sich dann in den Jahren 1827 und 1828 heraus, als sie bei Bränden in Neumünster und Biburg zu Einsätzen gerufen wurde. Der Preis dieses, dem damaligen neuesten Entwicklungsstand entsprechenden Gerätes betrug 550 Gulden. Zum Vergleich: 14 Tagwerk Wald waren nur mit 192 Gulden berechnet. Ein altes Inventarverzeichnis registrierte außerdem vier Feuerleitern, zwei Feuerhaken und sechzehn Feuerlöschkübel, die allesamt in dem 1836 erbauten Feuerhaus untergebracht wurden.

Eine interessante Entdeckung machte erst in jüngster Vergangenheit das Mitglied der Weldener Feuerwehr, Kreisbrandrat Georg Anzenhofer. Er fand in den Annalen des Bezirksamtes in Zusmarshausen den Hinweis, dass bereits im Jahre 1869 Welden eine Pflichtfeuerwehr stellen musste.

In den fünf Folgejahren schweigt dann die Chronik, bis 1874 die eigentliche Geburtsstunde des heutigen Feuerwehrvereins schlug. Die Entstehung der Wehr wird in einem Nachtrag im Protokollbuch wie folgt beschrieben:

"Nachdem sich der schon mehrere Jahre bestehende Turnverein aufgelöst hat, wurde am 7. Juni 1874 von dem damaligen und im Jahre 1881 verstorbenen Bürgermeister Johann Abele ein Aufruf vor versammelter Gemeinde erlassen, um eine Freiwillige Feuerwehr zu gründen. Demzufolge hatten sich noch am nämlichen Tage nachmittags fünfzig Männer im Gemeindehaus eingefunden, welche sich dem Löschdienste freiwillig widmen wollten. Es wurden somit die versammelten Männer kurz über den Zweck und die Bedeutung der Freiwilligen Feuerwehr unterrichtet und diejenigen, welche als Mitglieder einzutreten wünschten, gaben ihre Namen dem Bürgermeister an und wurden zuletzt von demselben vorgelesen. Hierauf schritt man zur Wahl des Verwaltungsrates und wurden in denselbigen nachstehende Herren einstimmig gewählt:

1. Vorstand Oberförster Meyer, 2. Vorstand Bürgermeister Abele, Kommandant Dr. Heitz, Arzt, Schriftführer Aufschläger Heitle, Kassier Bierbrauer Leix."

Als Uniformierung wurde vorläufig die Dienstmütze angenommen. Desgleichen wurde auch der Beschluss gefasst, eine monatliche Auflage zu halten, wobei jedes Mitglied 20 Pfennig zu entrichten hatte, um die nötigen Requisiten bzw. Ausrüstungsgegenstände anschaffen zu können. Nach kurzer Zeit war schon so viel Geld vereinnahmt, dass die Steiger vollständig ausgerüstet werden konnten. Zum Gründungsfest erhielt die junge Wehr auch einen Zuschuss des Bezirksamtes. Zusammen mit dem Zuschuss der Gemeinde reichte dies zum Ankauf von weiteren fünf Feuerleitern, Schläuchen und Verschraubungen, fünfzehn Exemplaren der neu erschienenen Feuerlöschordnung, Wassereimern aus Hanf und zur gründlichen Spritzenreparatur.

Die finanziellen Verhältnisse der Gemeinde und des Vereins vereitelten den Wunsch nach einer eigenen Fahne. So wurde die vorhandene Fahne des aufgelösten Turnvereins umgearbeitet. Dieses Provisorium sollte dann allerdings bis zum Jahre 1961 dienen.

Vom 1. Vorstand wurde angeregt, dass von besser bemittelten Mitgliedern Anteilscheine gezeichnet werden, die dann später, wenn Kassenüberschüsse vorhanden seien, wieder eingelöst werden sollten. Hierzu zeichneten mehrere Mitglieder Anteilscheine zu fünf, zehn und fünfzehn Mark. Diese wurden später auf Vorschlag des 1. Vorstandes dem Verein als Geschenk überlassen. Demzufolge konnten im Verlauf von wenigen Jahren sämtliche Mannschaften vollständig ausgerüstet werden. Dieser neugegründete freiwillige Feuerwehrverein leistete dann erstmals bei einem Brandfall im Jahre 1875 in Horgauergreut Hilfe. Die Hilfeleistungen der Wehr erstreckten sich in den Folgejahren nicht ausschließlich auf die Bekämpfung des "roten Hahnes" und vor allem nicht allein auf den Markt Welden. So wurden die Weldener 1876 zum Totalbrand eines Ökonomiegebäudes in Streitheim gerufen. 1879 galt es für die Wehrmänner, sich im Bergungseinsatz zu bewähren. "Bei einer großen Überschwemmung in Welden, in folge eines sehr starken Gewitterregens, welcher nach Verlauf von einigen Minuten so schnell hereinbrach, dass bei den an den Wassern gelegenen Häusern dasselbe über die Gartenzäune lief. Hierbei wurde bei den am stärksten Gefahr bestehenden Häusern Vieh, Mobiliar, Holz und dergleichen gerettet".

Von einem weiteren Brandfall weiß das Stammbuch im Jahre 1880 zu berichten. Dabei wurde ein Söldneranwesen in Ehgatten ein Raub der Flammen. Dem vorbildlichen Einsatz dankt die Wehr die erfolgreiche Brandbekämpfung eines Anwesens in Reutern im Jahre 1882. Einen weiteren Beweis der damals gelobten Einsatzbereitschaft erbrachten die Mannschaften im gleichen Jahr beim Brand in der Hofhalde, einer Waldabteilung des Forstamtes Welden. Erst nach einem Regierungszuschuss von 300 Mark und einer weiteren Zuwendung aus der Vereinskasse von 233 Mark entschloss sich die Gemeinde 1884 zum Kauf einer neuen Feuerwehrspritze. Wie es um die damalige Gemeindekasse bestellt war, zeigt die Tatsache, dass die Restkaufsumme von der Magdeburger Feuerversicherung vorfinanziert wurde und in fünf Jahren getilgt werden konnte.

Die folgenden kargen Aufzeichnungen bis zum Beginn des ersten Weltkrieges registrieren in sachlicher Nüchternheit das gleichförmige Maß an Arbeit innerhalb des Vereins, das vorwiegend in der Abhaltung von Übungen und geselligen Biergängen bei den Quartalsversammlungen bestand. Die Freiwillige Feuerwehr war schon in jenen Jahren zu einem nicht mehr wegzudenkenden Verein in Welden geworden. Nach den Worten des Chronisten "zwar nicht der älteste, jedoch der beständigste und bestfundamentierte". Der Mitgliederstand schwankte in diesen Jahren zwischen 120 und 140 einsatzbereiten Männern.

Am 29. Oktober 1899 feierte die Freiwillige Feuerwehr das 25 jährige Gründungsfest. Dem gefassten Beschluss folgend, sollte das Jubiläum in aller Stille innerhalb des Vereins begangen werden. Während am Vortag die Mitglieder mit 1 Liter Bier, 1 Wurst und Brot aus der Vereinskasse bewirtet wurden, nahmen die Gründungsfeierlichkeiten am folgenden Sonntag ihren Lauf. Nach dem vormittäglichen Festgottesdienst traf man sich im Gasthaus zur Post zum gemeinsamen Mahl. Bei der nachmittäglichen Unterhaltung überreichte Vorstand Dominikus Weiß an verdiente und langjährige Mitglieder Ehrendiplome. Am Abend waren dann alle zu einer theaterlichen Unterhaltung im Gasthaus Reiser eingeladen. Der Trauergottesdienst für die verstorbenen Mitglieder fand am nächsten Tag statt. Im Anschluss fand dann die Feier bei einem Frühschoppen, aus der Vereinskasse bestritten, ihren Abschluss. Das Jubiläumsgeschenk, 300 m Hanfschläuche, wurde von Gemeinde und Feuerwehr jeweils zur Hälfte finanziert.

In den exakt geführten Protokollen spiegeln sich in den Folgejahren die Höhen und Tiefen des Vereins wider. Ungewöhnlich häufig musste mit personellen Problemen gekämpft werden. Sie konnten jedoch in vorbildlicher Art geklärt werden. Vom Chronisten wurde öfter vermerkt, dass sich der Ausschuss mit Strafen und dem Strafmaß für absichtliches Fernbleiben von Übungen befassen musste. Damals getroffene Regelungen haben zum Teil noch heute Bestand. So zahlte bereits 1905 die Gemeinde dem Zeugwart eine jährliche Entschädigung. Bis in die 70er Jahre leistete die 1906 von der Feuerwehr angeschaffte Schubleiter gute Dienste. Die Notwendigkeit dieser Anschaffung zeigte sich bereits ein Jahr nach dem Kauf, als sie bei einem ausgedehnten Scheunenbrand im Anwesen des langjährigen Vorstandes Dominikus Weiß zum Einsatz kam. Der Einsatz von 90 Feuerwehrleuten vermittelt ein Bild über die Stärke der damaligen Löschgruppe.

Am 10. Oktober 1909 feierte der Verein mit dem damaligen Patenverein Emersacker und den örtlichen Vereinen das 35 jährige Bestehen. In der Chronik steht vermerkt: "Nach dem Kirchzug und Festgottesdienst feierten die Gäste und Mitglieder bis spät in die Nacht hinein unter der festlich geschmückten Büste des Allerhöchsten Protektors der Feuerwehren, Seiner Königlichen Hoheit des Prinzen Luitpold, Regent von Bayern, den freudigen Anlass."

Die alle drei Jahre stattfindende Inspektion bestätigte 1914 der Gemeinde, dass die in Reih und Glied angetretene Mannschaft eine musterhafte Wehr sei. Der erste Weltkrieg hinterließ auch bei der Weldener Feuerwehr seine Spuren.

Während der Kriegsjahre wurden den im Felde stehenden Kameraden Liebesgaben in Form von Hartwurst, Rauchwaren und Schnaps geschickt. Allein 16 aktive Mitglieder waren nach den Kriegswirren in der Wehr zu betrauern.

In den Folgejahren entwickelte sich das Vereinsleben sehr kräftig, denn von den 111 Mitgliedern des Jahres 1918 stieg die Zahl bis 1933 auf 192 Männer an.

Das 50-jährige Gründungsfest wurde am 13. Juli 1924 in nur bescheidenem Rahmen begangen. Die wirtschaftliche Lage dieser Zeit erlaubte es den Mitgliedern nicht, ausschweifend zu feiern. Ins Rampenlicht geriet die Wehr erst wieder am 15. Juli 1934, als zum 60-jährigen Bestehen eine erfolgreiche Inspektion Schlagzeilen lieferte . Doch dieser Aufschwung sollte bald getrübt werden. Dem Verein der Freiwilligen Feuerwehr Welden drohte ein vorzeitiges Ende. Kraft des Feuerlöschgesetzes vom 23.11.1938 trat an die Stelle der aktiven Wehr eine in Löscheinheiten gegliederte Hilfspolizei. Über deren Aktivitäten und Einsätze schweigt das Protokoll des offiziell nicht mehr existierenden Vereins. Vermerkt sind lediglich im Jahre 1940 der Kauf der ersten Motorspritze und der Einsatz aller nicht zum Wehrdienst einberufenen ehemaligen Feuerwehrleute in den Bombennächten in der naheliegenden Kreisstadt Augsburg und in München.

Der Wiederbeginn nach dem zweiten Weltkrieg glückte auf Anhieb. Die am 2. Dezember 1945 gewählte Vorstandschaft rekrutierte sich aus dem Vorstand Johann Hummel, der während der Kriegsjahre Wehrführer war, dem Kommandanten August Baumeister, Adjutant Michael Fischer, Kassier Georg Strahl und Schriftführer Johann Haslinger. Große Sorge bereitete der Führung der Ausrüstungstand der Wehr. Fehlte es doch nach den Worten des Chronisten "an allen Ecken und Enden". Die schlechte Finanzlage der Gemeinde gab wenig Anlass zur Hoffnung, dass die Anforderungen der Feuerwehr erfüllt würden. Nur langsam konnte die technische Ausrüstung angeschafft werden. Sorge um die Stärke der aktiven Mannschaft gab es nicht. Jeder war froh, wieder aus dem Krieg in die Heimat zurückgekommen zu sein. Trotz fehlender Ausrüstung und Geräte leisteten alle gerne freiwilligen Dienst.

Im Jahr 1950 übernahm der damalige Bürgermeister Johann Bergmeir die Vereinsleitung. Zu den Aufgaben während seiner zehnjährigen Amtszeit zählte die Ausrichtung des 75- jährigen Gründungsfestes. Mit der Teilnahme von 18 Nachbarwehren wurde am 23. Juli 1950 zusammen mit den Ortsvereinen und mehreren Musikkapellen ein großes Fest gefeiert. Der damalige Ortsgeistliche Pfarrer Heinrich Schmid rief in seiner Ansprache die Wehrmänner zu "weiterer Treue im Dienst am Nächsten" auf. Ein bunter Zug, angeführt von der Weldener Blaskapelle und begleitet von buntgeschmückten Wagen und zahlreichen Gastvereinen, bewegte sich an den dichtgedrängt stehenden Zuschauern vorbei durch die Straßen. Der Markt Welden zeigte sich nach den trüben Kriegsjahren und der Nachkriegszeit in einem schmucken Festkleid und bot so eine eindrucksvolle Kulisse für dieses Fest.

Zehn Jahre später, 1960, übernahm August Baumeister das Amt des 1. Vorsitzenden. Mit Kommandant Josef Kling konnte er auf eine leistungserprobte Feuerwehr stolz sein. Die Inspektionen der Jahre 1960 und 1961 endeten jeweils mit dem erfreulichen Bescheid: "Weldens Wehr zählt zu den besten im Landkreis". Baumeister war es, der sich für eine eigene Vereinsfahne einsetzte. Nach 85 Jahren Feuerwehrgeschichte in Welden war es endlich soweit. Die im Weldener Karmelitinnenkloster gestickte Fahne konnte am 9. Juli 1961 geweiht werden. Sie wird bis heute der Feuerwehr Welden mit besonderem Stolz vorangetragen.

Die doch recht bescheidene Ausrüstung der Wehr führte in den Folgejahren zu Missstimmung und Unlust innerhalb der Aktiven. Vor allem die jungen Aktiven bemühten sich intensiv um die Anschaffung eines Löschfahrzeuges. Ein Tragkraftspritzenanhänger und die alte Leiter aus dem Jahre 1906 entsprachen nicht mehr dem Stand der Feuerwehrtechnik der 60er Jahre. Einer sehr rührigen Vorstandschaft unter dem Vorsitzenden Franz Wagner gelang es nach Jahren, die Gemeindeverwaltung von der Notwendigkeit und Dringlichkeit einer Fahrzeugbeschaffung zu überzeugen. Der vollzählig angetretenen Mannschaft konnte im Frühjahr 1968 ein Löschgruppenfahrzeug Mercedes LF8 übergeben werden. Mit dieser Anschaffung konnten die Sicherheit und der Brandschutz in Welden wesentlich verbessert werden.

Ein unübersehbarer Auftrieb kennzeichnete das Vereinsleben in den folgenden Jahren, als Anton Kammermeier 1971 als Vorstand die Vereinsleitung übernahm. Trotz der 1968 eingeführten Feuerschutzabgabe erhöhte sich der Mitgliederstand deutlich und die Aktivitäten sowie der Leistungstand der Wehr nahmen sichtbar zu. Ein besonderes Augenmerk legten die Verantwortlichen auf die Jugendarbeit gelegt. Sie gründeten bereits 1972 die erste weibliche Jugendlöschmannschaft im Landkreis Augsburg. Diese wurde weit über den Landkreis hinaus durch Veröffentlichungen in Presse und Rundfunk bekannt. Mit der Fertigstellung des Feuerwehrgerätehauses im Rathaus, wurde 1972 für die Wehr endlich auch eine für ihre Größe und Aufgaben entsprechende Räumlichkeit geschaffen.

Einen ganz besonderen Stellenwert in der Vereinsgeschichte nimmt das 100- jährige Gründungsfest ein. Mit einem der größten Feste, die in Welden bis dahin gefeiert wurden, beging die Freiwillige Feuerwehr vom 6. bis 16. Juni 1974 ihr Jubiläum. Vorstand Anton Kammermeier konnte über einhundert Vereine mit ihren Fahnen zu diesem Jubelfest begrüßen.

Die mangelnde Wasserversorgung, vor allem in den höhergelegenen Wohngebieten und im Industriegebiet Haldenlohe, waren ausschlaggebend dafür, dass sich die Freiwillige Feuerwehr unter Kommandant Georg Anzenhofer verstärkt um die Beschaffung eines Tanklöschfahrzeuges bemühte. Am 29. Mai 1977 übergab die Marktgemeinde eines der modernsten Tanklöschfahrzeuge, ausgerüstet mit schwerem Atemschutz, an die Feuerwehr. Neben der damit erzielten deutlichen Steigerung des Brandschutzes in Welden und in den Gemeinden des Holzwinkels war dies auch eine große Motivation für die aktiven Feuerwehrmitglieder. Bei zahlreichen Brandeinsätzen konnte dieses Fahrzeug Schaden abwenden.

Außerdem unterstützte die Feuerwehr den TSV Welden Jahr für Jahr bei der Ausrichtung der Volksmärsche. Die Frauen und Männer der Feuerwehr übernahmen die Parkplatzorganisation und die Verkehrsregelung bei diesen Veranstaltungen, an denen Ende der 70er und Anfang der 80er Jahre jeweils über 20.000 Menschen nach Welden kamen.

Im Laufe der letzen Jahre haben sich die Aufgaben der Feuerwehren mehr und mehr von der Hilfeleistung bei Bränden hin zu einem "Helfer in allen Fällen" gewandelt. Vor allem die zunehmende Mobilität und die gestiegene Verkehrsdichte brachten neue Aufgaben. Schwere und schwerste Verkehrsunfälle machten es erforderlich, dass auch die Weldener Feuerwehr mit modernsten Hilfsmitteln wie Notstromaggregat, Rettungsschere und Rettungsspreizer ausgerüstet wurde. In Eigenregie, aus Vereinsmitteln und mit Spenden beschafft, wurde 1975 ein VW-Kombi zu einem Mehrzweckfahrzeug umgebaut, der bis 19.. eingesetzt werden konnte. Als Ersatz erhielt die Feuerwehr Welden die Möglichkeit, ein Fahrzeug aus Beständen des Katastrophenschutzes für die Einsatzbereiche der Feuerwehr umzubauen. Finanziert durch den Verein und dank des überdurchschnittlichen Engagements der Aktiven beim Umbau des Fahrzeuges konnte es nach relativ kurzer Zeit als Mehrzweck- und Einsatzleitfahrzeug in Dienst gestellt werden. In dieser Funktion leistet es auch überörtlich wertvolle Dienste.

Als Georg Anzenhofer, seit 1974 Kommandant der Wehr, 1984 zum Kreisbrandinspektor ernannt wurde, musste eine neue Führung gewählt werden. Mit dem Ausscheiden von Anzenhofer vollzog sich ein Generationenwechsel in der aktiven Wehr. Auch im Vereinsleben setzte sich dieser Wandel fort. Nach über 17 Jahren als erfolgreicher Vorstand gab Anton Kammermeier sein Amt ab. Auch die übrige bewährte Vorstandschaft stellte sich nicht mehr zur Verfügung. Bei den Neuwahlen wählte die Versammlung den 1. Kommandanten Ernst Saule auch zum Vorsitzenden. Erstmals in der Geschichte der Feuerwehr Welden wurden nun die aktive Wehr und der Feuerwehrverein von einer Person geleitet.

In den Einsatzberichten der Feuerwehr häuften sich die Meldungen über technische Hilfeleistungen bei Verkehrsunfällen. Auch bisher für die ländliche Region nicht bekannte Leistungen wurden abgefordert. So wurde nun die Wehr auch zum Entfernen von Wespennestern, zum Beseitigen von Ölspruren und häufig zu Absperrdiensten bei Veranstaltungen gerufen. Einen ihrer größten Einsätze erlebte die Feuerwehr beim sogenannten "Jahrhunderthochwasser" Ende Mai 1985. In Welden herrschte "Land unter", die Ortsfeuerwehr war mit ihren Mitteln und Möglichkeiten total überfordert. Da sich die Hochwasser im gesamten Landkreis Augsburg und den angrenzenden Kreisen auswirkten, konnten die Nachbarschaftshilfen nur unter erschwerten Bedingungen erfolgen. Diese Bewährungsprobe brachte der Freiwilligen Feuerwehr sehr großes Ansehen.

Die Frauen und Männer der Wehr standen über 36 Stunden im Dauereinsatz.

Auch der Sturm Wiebke, der große Schäden in unseren Wäldern anrichtete, erforderte alle Kräfte der Feuerwehr. Wir dürfen uns glücklich schätzen, dass unsere Feuerwehrleute bei den Einsätzen bisher von größeren Verletzungen und Schäden verschont blieben.

Mit einem großen Wiedersehen feierte die Freiwillige Feuerwehr 1997 das 25-jährige Bestehen der Damen- und Jugendfeuerwehr in Welden. Was vor 25 Jahren im Landkreis als einmalig galt, ist heute bei vielen Wehren eine feste Einrichtung. Heute sind die ersten der Jugendlichen aus der Gründungszeit bereits als Führungskräfte in Wehr und Verein tätig.

Zu den vielen Aktivitäten der Freiwilligen Feuerwehr gehören unter anderem das alljährliche Sonnwendfeuer auf dem Theklaberg, im Wechsel mit den Ortsvereinen das Aufstellen des Maibaumes, die Teilnahme am Marktfest und Hilfs- und Sicherheitsdienste bei allen örtlichen Veranstaltungen. Im Jubiläumsjahr 1999 erfolgte der Eintrag des Vereins in das Vereinsregister. Er trägt nun den Namen "Freiwillige Feuerwehr Welden eV".

Die Verbesserung der Ausrüstung und Neuanschaffungen sind sicherlich ein Dauerthema aller Feuerwehren. Nachdem das bereits 1968 in Dienst gestellte LF 8 in die Jahre gekommen war, musste eine Ersatz gefunden werden. Es waren lange Gespräche mit der Verwaltung erforderlich, um sie von der Notwendigkeit einer Fahrzeugbeschaffung zu überzeugen. Der Schutz und die Hilfe für die Bürger und ihr Hab und Gut siegten schließlich über finanzpolitische Überlegungen. Im Dezember 1993 konnte die Freiwillige Feuerwehr ein neues Löschfahrzeug LF16/12 in Empfang nehmen. Mit dem derzeitigen Ausrüstungstand und der Stärke der aktiven Wehr ist nun das Feuerwehrgerätehaus an die Grenzen seiner Kapazitäten angelangt.

Die Probleme wurden vom Marktrat rasch erkannt und es wurde bereits 1992 mit einem Architektenwettbewerb eine Weichenstellung getätigt. Heute ist das neue Feuerwehrgerätehaus bereits kurz vor der Einweihung. Somit geht die Freiwillige Feuerwehr Welden bestens gerüstet in das neue Jahrtausend.

Ernst Saule, Vorsitzender der
Freiwilligen Feuerwehr Welden